Typhus wird durch Salmonella typhi hervorgerufen.
Dies ist eine Salmonellenart, deren einziges Reservoir der Mensch ist
und die überwiegend mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Die wichtigste Infektionsquelle sind
aber nicht Patienten mit einer akuten Erkrankung, sondern sogenannte "Dauerausscheider",
die nach durchgemachter Infektion als "Gesunde" weiter Erreger ausscheiden.
Die Typhussalmonellen überleben längere Zeit im Wasser und
können sich z.B. in Muscheln anreichern. Die Übertragung
erfolgt überwiegend durch Trinkwasser oder kontaminierte
Nahrungsmittel, auf denen die Salmonellen bei mangelnder Hygiene
die zur Infektion erforderliche hohe Keimzahl erreichen. Eine direkte
Schmutz-Schmierinfektion ("After-Finger-Mund-Weg") ist wesentlich seltener.
Typhus ist immer eine lebensgefährliche Erkrankung. Auch bei bester medizinischer
Versorgung stirbt etwa 1% der Patienten, ohne Behandlung wären es rund
30%!
Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen beginnt die
Erkrankung uncharakteristischen mit Allgemeinsymptomen: Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit,
Kopf- und Gliederschmerzen, Obstipation (KEINE DURCHFÄLLE), steigende
Temperaturen (treppenverlaufähnlich ansteigend), Apathie, eventuell Nasenbluten.
Gegen Ende der ersten Krankheitswoche kommt es dann zur Continua (gleichmäßig
hohes Fieber um 40°) mit langsamer Herzfrequenz. Die Benommenheit nimmt
zu (Typhus stammt aus dem Griechischen und bedeutet Nebel!). Zusätzlich
treten Leber- und Milzschwellung, eventuell sogar eine leichte Gelbsucht auf.
Gegen Ende der zweiten Krankheitswoche kann ein ganz flüchtiger Hautausschlag
(Roseolen) am Rumpf auftreten. Erst in der dritten Krankheitswoche können
erbsbreiartige Durchfälle auftreten. Dann erfolgt die Abfieberung. Als
Komplikationen der Erkrankung können Darmblutungen oder Darmperforationen,
Herzmuskelentzündung, Venenentzündungen, Lungenentzündung, Gallenblasenentzündung
und Meningoencephalitis (Entzündung des Gehirns) sowie Knochenmarkseiterungen
auftreten.
Diagnose:
Direkter Erregernachweis in der Blutkultur, ab der 2 bis 3 Woche Nachweis
in der Stuhlkultur,evenutell auch in der Harnkultur. Dem serologischen
Nachweis
(Nachweis der Antikörper im Blut) kommt nur eine untergeordnete Bedeutung
zu.
Therapie:
Die Behandlung erfolgt durch eine möglichst frühzeitige Antibiotikatherapie,
die ca. 2-3 Wochen fortzusetzten ist. Das Mittel der Wahl bei Erwachsenen ist
Chloramphenicol. Für Kinder werden Co-Trimoxazol oder Ampicillin empfohlen,
die auch als Alternativen bei Erwachsenen in Frage kommen. Hinzu kommt eine
sorgfältige Pflege des Kranken mit Ausgleich des Wasser- und Mineralhaushaltes
sowie einer Überwachung der Kreislauffunktionen. Die Patienten sind zu
isolieren, ihre Ausscheidungen und Wäsche müssen desinfiziert werden.
Trotz adäquater Therapie bleiben 2-5 % der Patienten Dauerausscheider
und stellen damit, wie erwähnt, potentielle Krankheitsüberträger
dar.
Vorbeugung:
Im allgemeinen hinterläßt die durchgemachte Erkrankung eine lebenslange
Immunität, allerdings sind trotzdem Zweiterkrankungen möglich. Eine aktive
Schutzimpfung mit einem oralen Impfstoff (Schluckimpfung/VIVOTIF® Berna)
oder einer Typhus-STICHIMPFUNG TYPHIM VI® PMC steht zur Verfügung
und wird als Reiseimpfung empfohlen. Sie verleit für ca. 2 Jahre einen
Schutz vor der Erkrankung bzw. bewirkt einen leichteren Krankheitsverlauf.
Prophylaktisch ist bei einem Aufenthalt in warmen Ländern das Trinken
von abgekochtem Wasser sowie des Meiden von Salaten und ungeschältem Obst
zu empfehlen. Da die Typhussalmonellen das saure Milieu im Magen nur zu einem
geringen Teil überleben, wird eine zusätzliche Ansäuerung durch
Medikamente oder einfacher durch saure Getränke, wie z.B. Zitronenlimonade
oder Cola empfohlen.
Cave:
Bei dem oralen Impfstoff ist zu beachten, dass:
-
keine gleichzeitige Einnahme mit Antibiotika
oder dem Malariamedikament Lariam®
-
Abstand zu anderen Lebendimpfungen (Polio oral, MMR)
erforderlich
-
erst bei Kindern ab dem vollendetem
1. Lj. möglich
-
Impfstoff sehr temperaturempfindlich
Bei der Stichimpfung:
-
mit allen Impfungen ohne zeitlichen Abstand kombinierbar,
-
keine Wirkungsabschwächung durch Antibiotika
oder Malariamedikamente
-
Impfung bei Kindern erst ab dem 2. Lebensjahr (schlechte
Wirksamkeit, jedoch nicht mehr Nebenwirkungen)
-
kürzerer Zeitraum bis zum Eintritt
eines wirksamen Schutzes |