Tollwut

Die Tollwut ist ein nahezu weltweites Problem. Tollwutfrei sind lediglich Australien, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Ozeanien, Taiwan, Japan, einige karibische Inseln, Bermuda, Zypern, Dänemark, Finland, Gibraltar, Griechenland, Island, Norwegen, Irland, Kuwait, Malta, Portugal, weite Teile Spaniens, Schweden, Großbritannien und die touristischen Inseln im indischen Ozean. In Europa konnte die Tollwut durch großangelegte Impfaktionen für Füchse weitgehend zurückgedrängt werden. Weltweit sterben rund 50.000 Menschen jährlich an der Tollwut, im Jahr 1984 wurden mehr als 3,7 Millionen Menschen nach einem Tierbiß gegen Tollwut geimpft. Stellen in Europa Füchse die größte Infektionsquelle dar, so sind es in den tropischen und subtropischen Regionen überwiegend Hunde, die es fast immer und überall in großen Mengen gibt. Damit hat die Tollwut zwei große epidemiologische Formen: die sylvatische Wut (Zyklus Fuchs-Fuchs und sehr selten einmal ein anderes Tier oder der Mensch) und die urbane Wut (Zyklus Haushund-Haushund und viel häufiger der Mensch, der mit dem domestizierten Tier ja in engem Kontakt lebt!). Letzere ist vor allem in den Tropen der vorherrschende Typ.

Symptome:
Der Erreger ist das TOLLWUT-VIRUS (Rhabdo-Virus). Die Übertragung geschieht durch Biß oder Hautkontakt (Das Virus wird im Speichel des infizierten Tieres ausgeschieden!).
Die Tollwut beginnt sehr uncharakteristisch mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Schmerzen an der Bißstelle, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Depressionen oder Erregungszuständen. Diese Beschwerden dauern 2 bis 10 Tage.
Da sich das Tollwutvirus entlang der Nervenbahnen ins Gehirn verbreitet und sich dann dort vermehrt, treten in der Folge neurologische Beschwerden auf:

  • Hyperventilation (übersteigerte Atemtätigkeit, "Hecheln")

  • Zeichen des Sauerstoffmangels

  • Sprachunfähigkeit

  • Lähmungen

  • Wasser- und Lichtscheu

  • Stimmritzenkrampf ("zugeschnürte Kehle"),

  • Verwirrtheitszustände

  • Halluzinationen

  • Unruhe , Bewegungsdrang

Diese Beschwerden dauern zwei bis sieben Tage und werden bei vollem Bewußtsein durchlitten. Nach der neurologischen Phase fällt der Erkrankte ins Koma. Trotz aller intensivmedizinischen Maßnahmen ist der Tod nicht vermeidbar. Es treten Herzrhythmusstörungen, Herz- und Atemstillstand ein.
WENN SYMPTOME DER ERKRANKUNG AUFGETRETEN SIND, NIMMT DIE KRANKHEIT IHREN SCHICKSALSHAFTEN, TÖDLICHEN VERLAUF.
Es wurde bisher noch kein Fall einer überlebten Tollwuterkrankung beschrieben.

Diagnose:
Die Diagnose der Erkrankung wird klinisch gestellt. Besonders wichtig ist das Hinterfragen von Tierkontakten in einem Tollwutgebiet, Art des Kontaktes (Bißverletzung, Ablecken) und Verhalten des Tieres. Im späteren Krankheitsverlauf kann das Virus durch spezielle Methoden im Speichel oder im Hornhautabstrich nachgewiesen werden.

Therapie:
Es gibt keine Behandlung der Tollwut. Die einzige lebensrettende Maßnahme ist die sofortige Impfung nach einem tollwutverdächtigen Tierkontakt!

Vorbeugung:
vorbeugende Impfung (PCEC-Impfstoff (Rabipur®): je eine Impfdosis (in den Oberarmmuskel) am Tag 0, 7 und 28 (ev. 21), eine vierte Impfung nach 12 Monaten Impfung nach Kontakt (postexpositionelle Tollwutimpfung): Die Impfung wird wie die vorbeugende Impfung durchgeführt, jedoch werden am Tag 0 zwei Impfdosen gleichzeitig gegeben, eventuell kann auch zusätzlich die Gabe von Tollwuthyperimmunglobulin erforderlich sein

Cave:
Allen Reisenden sollte die Bedeutung der Tollwut bewußt gemacht werden. Eine vernünftige Verhaltensweise ist mit Sicherheit die besten Vorbeugung, die man sich vorstellen kann. Tierliebe ist eine sehr positive Charaktereigenschaft, sollte sich aber auf Reisen in Grenzen halten, denn: JEDER TIERKONTAKT (BISS, aber auch ABSCHLECKEN BEI NICHT INTAKTER HAUT) MUSS ALS TOLLWUTVERDÄCHTIG EINGESTUFT WERDEN! Das bedeutet, daß auf schnellstem Wege eine Tollwutimpfung begonnen werden muß. Leider ist in vielen Ländern der Zugang zu modernen, gut verträglichen Impfstoffen nicht nur schwer möglich, sondern überhaupt unmöglich.

 
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