Famulaturbericht
Mwanza, Tanzania
Vom 1.8.
bis 31.8.2000 habe ich im Bugando Medical Centre in Mwanza,
Tanzania, eine Famulatur gemacht. Dort habe ich meine Zeit
hauptsächlich im Kreißsaal und auf der Kinderstation verbracht.
1. Das Krankenhaus
Das Krankenhaus ist für tanzanische Verhältnisse
sehr groß. Bugando ist ein staatliches Krankenhaus
mit 820 Betten, das in den 60er Jahren von der
damaligen DDR gebaut worden ist. Es zählt zu den
vier großen Ausbildungshospitälern in Tanzania.
Man findet dort eine chirurgische, eine gynäkologische,
eine pädiatrische und eine ophthalmologische Station,
außerdem eine Station für Innere Medizin, eine
Infektionsstation und den Bereich Public Health.
Das Krankenhaus ist in relativ schlechtem Zustand. Die Fenster und
die Wände sind überall kaputt. Es mangelt an Betten und Matratzen.
Wirklich hygienische Zustände aufrecht zu erhalten ist fast nicht
möglich. Daher hat es mich zum Teil tief beeindruckt, unter welchen
Umständen die Ärzte und Schwestern dort noch richtig gute Arbeit
geleistet haben.
Auch viele Geräte fehlen. Zwar gibt es ein Röntgen- und ein Ultraschallgerät,
aber für die große Anzahl der Patienten sind diese nicht ausreichend.
So mußten die Hebammen im Kreissaal statt auf ein CTG, auf ein zerbeultes
Blechhörrohr zurückgreifen. Auf der Kinderstation kann kein Blutdruck
gemessen werden, weil es keine Kindermanschette gibt. Urinsticks
und ähnliches sind ebenfalls Mangelware.
Da Bugando ein Lehrkrankenhaus ist und die Ärzte die Lehre auch sehr
ernst nehmen, hat die Visite immer den Charakter einer Lehrveranstaltung
gehabt. Die Ärzte waren im Großen und Ganzen doch sehr daran interessiert,
mir etwas über die dort vorherrschenden Krankheiten beizubringen.
Vor allem praktisch kann man dort viel lernen. Durch den Mangel an
Geräten sind die Ärzte viel gezwungen, ihre Sinne zur Diagnosestellung
einzusetzen. Im Kreißsaal ist es z. B. selbstverständlich, daß dort
jeder schnell lernt, die Frauen zu untersuchen und zu entbinden,
auch per Kaiserschnitt.
2. Die Krankheiten
Die Krankheitsbilder, die man in Tanzania sieht, unterscheiden sich
doch sehr von denen bei uns. Auf der Kinderstation liegen vor allem
Kinder mit Malaria, Sichelzellanämie, Fehl- und Mangelernährung,
Diarrhoe, Tuberkulose und Meningitis.
Bei den Erwachsenen findet man ebenfalls Malaria, Sichelzellanämien
und Tuberkulose, außerdem besonders bei Gefangenen Pellagra. Da die
HIV-Durchseuchungsrate anscheinend bei ca. 50% liegt, sieht man einige
Kaposie-Sarkome. Darüber hinaus leiden viele der Patienten an den
verschiedensten Wurmerkrankungen. Durch die Nähe zum Victoria-See
sieht man auch Patienten mit Bilharziose.
In der Gynäkologie sind vesico-vaginale Fisteln, die durch protrahierten
Geburtsverlauf entstehen, ein großen Problem. Außerdem werden viele
Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Anämie und Präeklampsie aufgenommen.
3. Die Unterkunft
Untergebracht wurde ich auf dem Krankenhausgelände in einem Hostel.
Dort wohnten außer mir noch ein weiterer deutscher Student und zwei
tanzanianische Interns. Das Zimmer war sehr sauber und enthielt ein
Bett, zwei Tische und einen abschließbaren Schrank. Bettwäsche und
Handtücher wurden regelmäßig gewaschen, und ein Moskitonetz wurde
zur Verfügung gestellt.
Gegessen habe ich mit den Ärzten in einer Art Kantine. Das Essen
war ganz in Ordnung, wenn auch nicht sehr abwechslungsreich. Es gab
Reis, Kartoffeln, Fisch, Huhn und Ziege. Dazu gekochte Bananen und
rote Bohnen. Für Essen und Unterbringung habe ich etwa 10 DM pro
Tag gezahlt.
4. Mwanza und die Menschen
Mwanza ist die zweitgrößte Stadt Tanzanias und liegt direkt am Victoria-See.
Mit 250.000 Einwohnern ist sie im Vergleich zu anderen Städten wirklich
riesig. Einige Straßen sind geteert und es gibt Fußwege. Mwanza hat
einen Flughafen, einen Bahnhof, eine Busbahnhof und den Hafen. Kaufen
kann man eigentlich alles, nur sind europäische Produkte sehr teuer.
Wirklich viel zu sehen und zu tun gibt es dort nicht, aber die Stadt
ist sehr freundlich. Ich habe mich die ganze Zeit sehr sicher gefühlt
und wurde nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der Stadt sehr
freundlich und herzlich empfangen.
5. Das Land und die Sprache
Tanzania liegt in Ostafrika, südlich des Äquators. Es zählt zu den ärmsten,
aber friedlichsten Ländern Afrikas und war bis 1995 sozialistisch.
In Tanzania leben über 100 Stämme friedlich zusammen. Die Landessprache
ist Kiswahili, aber Ausbildungssprache und damit auch die Sprache
im Krankenhaus bei Visiten usw. ist Englisch.
Es lohnt sich auf jeden Fall, nach der Famulatur noch ein wenig Zeit
in Tanzania zu verbringen. Der Kilimandscharo, die verschiedenen
Nationalparks, in denen man Safaris machen kann, und besonders Zanzibar
sind nur einige der wirklich lohnenswerten Ziele.
6. Reisevorbereitungen
Die Organisation der Famulatur lag hauptsächlich
in den Händen des Freundeskreises Deutschland-Tansania
e. V.
Vor meiner Reise mußte ich mich um ein gültiges Touristenvisum kümmern.
Außerdem habe ich mich gegen HAV, HBV, Meningokokken, Gelbfieber
und Typhus impfen lassen. Als Malariaprophylaxe habe ich Lariam genommen.
Alles in allem muß ich sagen, daß sich der doch nicht unerhebliche
Aufwand auf jeden Fall gelohnt hat und ich diese Famulatur immer
wieder machen würde.