Famulatur in Tanzania am Haydom Lutheran Hospital

1. Motivation für eine Famulatur in Tanzania
Seit Beginn meines Studiums war es ein Traum, im Rahmen meines Medizinstudiums nach Afrika zu kommen. Ostafrika fand ich besonders interessant, denn es versprach viel von dem, was ich mir unter Afrika vorstellte: Elefanten am Horizont von endlos erscheinenden Steppen, Massai, die in ihren Hütten leben, wie Jahrhunderte zurück und Bananenstauden in tropischen Klimaten. Tanzania hat all diese Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen. Nach Tanzania bin ich über den Verein Freundeskreis Deutschland-Tansania e.V. gekommen, der mir viel bei der Organisation des Famulaturplatzes geholfen hat. Wunschfach für die zwei Sommermonate '99 war Pädiatrie.

2. Vorbereitung
Da eine ganze Gruppe von Studenten aus Hannover das gleiche Reiseziel wie ich hatte, hatte der Freundskreis Deutschland-Tansania e.V., an dieser Stelle nochmals meinen Dank für seine Hilfe, ein Vorbereitungsseminar veranstaltet, das uns eine kleine Einführung ins Kiswahili und Landeskunde gab.

An Literatur kann ich den Kauderwelschführer für Kiswahili und den Lonelyplanet-Reiseführer empfehlen. In der Klinik fand ich das Oxford Handbook of Clinical Medicine and Specialities hilfreich.

3. Fachliche Eindrücke und Tätigkeiten
Am Anfang war es schon nicht ganz einfach mit den gegebenen Umständen fertig zu werden. Die Kinderstation war die vollste und geruchsintensivste Station des Krankenhauses. In jedem Bett befanden sich mindestens zwei Personen, meist die Mutter, das kranke Kind und oft noch ein Geschwisterkind. Die Pflege, inklusive Ernährung, wurde von Angehörigen übernommen. Die hygienischen Verhältnisse waren oft für uns Europäer haarstreubend. Ich habe viele Kinder sterben sehen, die ganz sicher in Europa überlebt hätten.
Das Krankenhaus selber liegt in einer abgeschiedenen ländlichen Region und ist mit nominell 300 Betten (tatsächliche Belegung 130%) eines der größten im Land. Es gliedert sich in eine Abteilung für Innere Medizin (60 Betten), Tuberkulose Station (60 Betten), Chirurgie (45 Betten), Intensivstation (15 Betten), Frauenheilkunde und Geburtsheilkunde/Neonatologie (70 Betten) und die Kinderstation (50 Betten).

Ich durfte auf allen Stationen bei Untersuchungen und Operationen zuschauen und mir meine Zeit frei einteilen. Dem Krankenhaus ist eine Hebammen- und Schwesternschule angegliedert. Im gesamten Krankenhaus werden etwa 10.000 Patienten pro Jahr stationär behandelt, ambulant ca. 550.000. Dazu kommt eine Mutter-Kind-Vorsorgeklinik. Am Krankenhaus sind momentan 8 Ärzte tätig, davon 5 Europäer und 3 Tanzanier. Ausserdem gibt es Medical Assistents, die in etwa die Tätigkeit eines deutschen Assistenzarztes ausüben.

Die pädiatrische Abteilung hat ständig zwischen 70 und 100 Patienten, in Malariaepidemiezeiten bis zu 150. Besonders häufige Krankheitsbilder waren Malaria, Gastroenteritis, Pneumonie, Tuberkulose, Meningitis und Osteomyelitis. Aber ich habe auch eine Myelomeningoezele, einen M. Hirschsprung und ein Burkitt-Lymphom gesehen.

Der Tag begann mit dem Morgenbericht 7.30 Uhr, in dem der diensthabende Medical Assistent die Neuzugänge der Nacht und Todesfälle vorstellte. Dann bin ich meist mit dem Pädiater zur Visite gegangen, die sich bis zum Mittag hinziehen konnte. Anschließend habe ich beim Blutabnehmen geholfen, in der Ambulanz, bei Geburten oder Operationen zugeschaut. Insgesamt habe ich mehr gesehen als praktisch gemacht, da ich keine selbständigen Anamnesen durchführen konnte. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich aber sicher aktiver im OP sein können. 

Für mich war die Famulatur sehr interessant, da ich vorher noch nie in der Kinderheilkunde famuliert hatte und hier auf ein sehr großes Patientenspektrum mit Krankheitsbildern traf, die ich in dieser Ausprägung in Europa hoffentlich nie wieder sehen werde. Die Betreuung durch den deutschen Kinderarzt war sehr gut und lehrreich. Allerdings würde ich allen, außer vielleicht für das Fach Gynäkologie, abraten ihr PJ in Tanzania zu machen, weil sich diese Medizin einfach nicht mit europäischer vergleichen läßt. Diagnostische, wie therapeutische Möglichkeiten sind stark eingeschränkt.

4. Sprache
Mit Englisch kommt man ganz gut durch, da es die meisten Schwestern und alle Medical Assistens und Ärzte sprechen, da die Ausbildung in Englisch erfolgt. Manchmal hatte ich mit dem afrikanischen Akzent zu kämpfen. Außerdem scheint es der Mentalität zu entsprechen, sehr leise zu sprechen.

Mit den Patienten konnte ich praktisch nicht reden. Gegen Ende meiner Zeit konnte ich zwar häufig gebrauchte Vokabeln während der auf Kiswahili geführten Visite verstehen und auch einige Sätze sagen, aber für eine Anamnese war das natürlich nicht ausreichend. Hinzu kam, daß viele der Patienten nur ihre lokale Stammessprache beherrschten, also kein Kiswahili verstanden.

5. Beziehung zu Gastgebern und zur Bevölkerung
Von dem deutschen Arzt und seiner Frau, die ebenfalls Ärztin war, wurden wir sehr freundlich aufgenommen. Er hat uns anfangs mit Lebensmitteln ausgeholfen und uns hilfreich bei der Organisation unserer Ausflüge zur Seite gestanden. Mit den anderen Euroäern, viele von ihnen waren Norweger, war das Verhältnis durchweg sehr freundlich. So hatte ich das Gefühl, daß ich mich mit einem Problem jederzeit an mehrere Ansprechpartner hätte wenden können.

Über das Krankenhaus hatten wir zu einigen Schwesternschülerinnen und Medical Assistens näheren Kontakt. Darüber hinaus waren wir ein paar Mal zu Festlichkeiten im Dorf eingeladen.
Ich fand, dass es leicht war, Kontakt zur Bevölkerung zu bekommen, soweit Englisch gesprochen wurde. Manchmal fand ich es etwas anstrengend, daß ich als Weiße ständig exponiert war. Zumal es für den Unkundigen nicht ganz einfach ist, die zahlreichen Umgangsregeln nicht zu verletzen.


6. Gesundheitsversorgung und Medizinerausbildung im Land
Die Zahl der an den zwei Landesuniversitäten ausgebildeten Ärzte ist eindeutig zu klein. 
Ich habe von Krankenhäusern gehört, in denen kein einziger Arzt anzutreffen ist. Die Patienten werden dann von den Medical Assistents betreut, die ihr Wissen in einer zweitjährigen Ausbildung erhalten, die je nach Güte der Lehrer differiert.

Auf dem Land ist die Versorgung der Bevölkerung besonders schlecht. Oft gibt es nur sogenannte Dispenseries, in denen eine Schwester tätig ist. Aber selbst die sind für die Kranken häufig nur unter Mühen zu erreichen. Die Behandlung ist kostenpflichtig und Bargeld ist knapp. So kommt es, daß viele Patienten sich erst sehr spät zu einem Gang in ein Krankenhaus entschließen - oft zu spät. Das wiederum trägt zur Bestätigung der Meinung bei, daß von der Schulmedizin nicht viel Gutes zu erwarten sei und lieber auf traditionelle Heilmethoden zurückgegriffen wird.

7. Rückblick
Für mich war diese Famulatur sehr spannend. Vielleicht noch nicht einmal vom medizinischen her gesehen, sondern von dem, was ich über das Leben von Menschen erfahren habe, das sich in völlig anderen Realitäten, als bisher von mir erlebten, abspielt. Ich mußte mich in diese Welt integrieren und versuchen, mich für ihre Denkweisen zu öffnen.

Für mich persönlich habe ich das Fazit gezogen, daß ich gerne später in einem Entwicklungsland arbeiten würde. Da aber fachlicher Austausch, wie diagnostische Möglichkeiten stark begrenzt sind, ist für mich eine ausreichende klinische Erfahrung unbedingte Voraussetzung hierfür.

8. Art und Kosten der Unterkunft
Wir waren sehr gut für umgerechnet 2,50 DM pro Tag auf dem Krankenhausgelände in Bungalows untergebracht.

9. Verpflegung
Verpflegung mußte man sich selber organisieren. Für 2,50 DM pro Tag konnte man sich eine Haushaltshilfe ins Haus bestellen. Das gehörte zum guten Ton, um einer Einheimischen einen Job zu verschaffen. Sie hat für uns Brot gebacken, bei Bedarf gekocht und die Wäsche gewaschen.

10. Verkehrsverbindungen und Kommunikation
Arusha, die nächste größere Stadt ist mit dem öffentlichen Bus eine Tagesreise entfernt. In der Regenzeit werden die Straßen, wenn man sie so nennen will, streckenweise unpassierbar.

Ein Postamt in Haydom ist laut Regierung in Planung, was immer das bedeuten mag. Das nächste Postamt befindet sich in Mbulu, ca. zwei Autostunden entfernt. Das Krankenhaus verfügt über eine über Norwegen laufende Satellitenverbindung. 1 Minute am Telefon kostet 3$, eine e-mail zu empfangen 4$, eine zu senden 5$. Außerdem gibt es eine Funkverbindung, über die die Krankenhäuser miteinander in Verbindung stehen.

11. Devisen, Visa, Prophylaxe
Tanzanische Shilling kann man nur im Land selbst umtauschen. Für DM ist der Wechselkurs recht günstig. Für touristische Unternehmungen ist es häufig unvermeidlich, mit Dollar zu bezahlen. Traveller Schecks werden allgemein in größeren Städten akzeptiert.

Die Beantragung des 3 Monate gültigen Visums ca. 4-5 Wochen vor Abreise für 40 DM hat keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Selbst am Flughafen kann man noch eines kaufen. Zur Einreise ist ein gültiger Reisepaß erforderlich.

Wer nach Zanzibar möchte, sollte sich gegen Gelbfieber impfen lassen. Ich habe mich noch gegen Hepatitis A und Typhus impfen lassen. Als Malariaprophylaxe habe ich Lariam eingenommen, was ich über die 4 Monate gut vertragen habe. Im Land selbst ist es erheblich billiger. Aber auch Chloroquin und Proguanil bieten einen guten, wenngleich nicht ganz so sicheren Malariaschutz. Von einigen Touristen habe ich gehört, daß sie mit Doxicyclin zufrieden waren.
Während der ganzen Zeit war ich außer unvermeidlichen Durchfällen und einer Bronchitis nie ernstlich krank.

von Annika Gaudig

 

Tansania

Für meine letzte Famulatur konnte ich einen lange gehegten Traum verwirklichen und nach Afrika gehen. Kurz bevor die ersten von uns losfuhren organisierte der Freundeskreis Deutschland-Tansania e.V. noch ein Vorbereitungstreffen, zu dem er verschiedene interessante Referenten eingeladen hatte. So konnten wir uns schon etwas auf unser Abenteuer einstimmen. 
Für sieben Wochen war ich in Tansania. In dieser Zeit habe ich vier Wochen im Haydom Lutheran Hospital famuliert und bin drei Wochen gereist, um noch etwas von Tansanias wunderschöner Natur und seinen wilden Tieren zu erleben. 
Das Haydom Lutheran Hospital ist ein Krankenhaus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania und liegt etwa 300 km südwestlich von Arusha im Norden Tansanias. Nominell sind 300 Betten vorhanden, tatsächlich liegt die durchschnittliche Belegung jedoch bei 130%. 
Es gibt die Abteilung Innere Medizin (60 Betten), Tuberkulose-Station (60 Betten), Chirurgie (45 Betten), interdisziplinäre Intensivstation (15 Betten), Frauenheilkunde und Geburtshilfe/Neonatologie (70 Betten) und Kinderheilkunde (50 Betten). 
Dem Krankenhaus ist eine Schwestern- und Hebammenschule angegliedert (80 Plätze). Im gesamten Krankenhaus werden pro Jahr stationär etwa 10.000 Patienten behandelt, ambulant ca. 55000. Dazu kommt eine Mutter-Kind-Vorsorgeklinik mit 25.000 Schwangerenuntersuchungen und 60.000 Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern unter 5 Jahren. 
Am Krankenhaus sind 8 Ärzte tätig, davon 5 Europäer (2 Chirurgen, 1 Pädiater/Neonatologe, 2 Allgemeinmediziner). Die 3 tansanianischen Ärzte sind allgemeinmedizinisch tätig. Außerdem gibt es 13 sogenannte Medical Assistants oder Clinical Officers, die in etwa die Tätigkeit eines deutschen Assistenzarztes ausüben. 
Im Labor werden vor allem hämatologische Parameter bestimmt, aber auch Urin-,Stuhl- und Liquoruntersuchungen durchgeführt. Dazu kommen noch verschiedene serologische Untersuchungen (z.B. Hepatitis B, HIV, Brucella, VDRL, etc.). 
Eine leistungsfähige Röntgenabteilung ist vorhanden, ebenso ein Ultraschallgerät. Außerdem werden die Gastroskopie, Bronchoskopie und die Zystoskopie durchgeführt. 
Pro Jahr fallen etwa 2.500 große und kleine operative Eingriffe an. Die meiste Zeit meiner Famulatur habe ich auf der gynäkologischen Station verbracht. Mit durchschnittlich 2200 Geburten und etwa 350 Kaiserschnitten pro Jahr liegt der Schwerpunkt der Abteilung in der Geburtshilfe. Allerdings werden auch Patientinnen mit zahlreichen gynäkologischen Erkrankungen konservativ und operativ behandelt. Viele der Patientinnen haben zusätzlich zu ihrer Grunderkrankung noch tropische Erkrankungen wie Malaria, Amöbenruhr, Rückfallfieber oder Tuberkulose. Entsprechend konnte ich neben den täglichen Visiten bei etlichen Geburten, Operationen sowie verschiedenen Untersuchungen in der Ambulanz zusehen oder assistieren. 
Die Menschen habe ich als sehr gastfreundlich und gesprächsfreudig erlebt, sowohl im Krankenhaus, wo wir jederzeit überall zusehen konnten, als auch später unterwegs beim Reisen. So konnte ich in Gesprächen mit Einheimische als auch mit den europäischen Ärzten vieles über das Leben der Menschen in diesem Land erfahren. 
Auch die Landschaft Tansanias hat viel zu bieten. Neben dem Kilimanjaro gibt es etliche wunderschöne Wildparks, wo man Elefanten, Giraffen, Antilopen, Löwen und viele Tiere mehr in freier Wildbahn sehen kann. 
Ein Highlight ist auch die wahrhaft paradiesische Insel Sansibar, die wunderschöne weiße Sandstrände hat, Palmen, Sonne, Korallenriffs, die zum Schnorcheln einladen und Früchte so viele das Herz begehrt. Ich habe sehr viele schöne, interessante aber auch nachdenklich stimmende Eindrücke mit nach Hause genommen und kann nur jeden zu solch einem Auslandsaufenthalt bestärken.


von Agnes Meuser

 
 
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